Frans Breydel (1679-1750), Der Tanz des Pierrot, 1. Hälfte 18. Jahrhundert

„Reich mir die Hand mein Leben,

Komm auf mein Schloß mit mir; …“

(Don Giovanni, Wolfgang Amadeus Mozart, Lorenzo da Ponte 1787)

oder eine Ermahnung zur ehelichen Treue

Frans Breydel (1679-1750), Der Tanz des Pierrot, 1. Hälfte 18.  Jahrhundert auf Eiche gemalt, rechts unten signiert. rückseitig alte Inventarnummer mit Feder in Schwarz zweimal geschrieben „13.“

Bildmaß Höhe 36,7; Breite 46 cm. – Euro 15.000,–

Breydel arbeitete in Deutschland und England. Er war Hofmaler des Landgrafen von Hessen-Kassel.  Seine Spezialität waren Maskenfeste in italienisierender Umgebung. Diesen Bildtyp zeigt auch unser Gemälde.

In einer Loggia tanzt ein Pierrot begleitet von Kammermusikern vor den Damen und Herren einer höfischen Gesellschaft, die in Kostümen des 17. Jahrhunderts auftreten. Dabei wird italienischer Rotwein von einem exotischen Mohrendiener schwungvoll kredenzt.

Die historisierende Kleidung ist typisch für diese Gesellschafts-Szenen des 18. Jahrhunderts:

„Der Eindruck des „Arkadischen“ wird … durch einen Kunstgriff erreicht: Es handelt sich … um Gesellschafts-Szenen mit einem Publikum und einem Ambiente der Mitte des 17. Jahrhundert! Dieser bewusst eingesetzte Rückgriff der Künstler auf die Mode, die Lebensform (Tischkultur, Aufführungspraxis der Musik etc.) und die Architektur einer vergangenen Epoche ermöglicht es, die Illusion einer in sorgloser, beschwingter Heiterkeit lebenden Gesellschaft hervorzuheben, die nichts mit der Realität des Alltags in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts verbindet.“ (Joswitha Juffinger in: Ausstellungskatalog Reich mir die Hand, mein Leben. Einladung zu einem barocken Fest. Salzburg 1996, S. 7).

Die moralische Sinnschicht des Gemäldes

Im Schildbogen der Loggia ist ein Stuckrelief zu erkennen, das den Kentaur Nessos – halb Mensch halb Pferd – zeigt der die hilferingende Deianeira, Gattin des Herakles, zu vergewaltigen sucht. Dies ist ein Hinweis auf die moralische Belehrung des Gemäldes. Die verhängnisvolle Verführung und die Treulosigkeit werden als malo gebrandmarkt.

Herkules tötete den geilen Nessos, der sterbend sein Blut Deianeira als liebesstiftendes Heilmittel für Herakles empfahl, wenn dessen Liebe zu ihr schwinden sollte. Als sich Herakles in Iole verliebt hatte, reichte seine Frau Deianeira ihrem Ehemann ein mit Nessos Blut – dem vermeintlichen Liebeselexier -getränkten Mantel. Der Mantel brannte Herakles zu Tode. Deianeira nahm sich in ihrem Schmerz das Leben.

Breydel versteht es vortrefflich die Qualitäten der changierenden Seidenstoffe darzustellen. Der mythologisch gebildete Betrachter des Kammerstückes konnte neben dem Genuß malerischer Qualitäten auch die ermahnende Botschaft des Gemäldes entdecken.