Zur Geschichte unseres Antiquitätengeschäftes


"Der Durchlaucht kommt"

Ludwig BaumannDas älteste Regensburger Antiquitätengeschäft wurde am 10. Februar1909 von Ludwig Baumann gegründet.

Das Interesse an Antiquitäten und "Altertümern", wie man damals sagte, beschränkte sich auf den Adel und die akademisch gebildeten Bürger dieser Stadt. Viele Kunden kamen als kunstinteressierte Touristen in das Geschäft.

 Regensburg war damals eine verträumte Provinzstadt, in der historische Bauten nicht so schnell dem Kommerz geopfert werden mußten wie anderorts. Das Stadtbild der einstigen mittelalterlichen Großstadt war und blieb intakt. Viel Kunst und Kunsthandwerk, Barockkommoden, Gläser, Keramik usw. schlummerten in seinen Mauern.

Das in Regensburg residierende Fürstenhaus Thurn und Taxis zählte zur vornehmsten Kundschaft des Geschäftes. Fürst Albert von Thurn und Taxis besuchte auf seinem obligatorischen Spaziergang durch die Stadt Regensburg auch Ludwig Baumann: "Der Durchlaucht kommt" - schon stand Ludwig Baumann an der Geschäftstüre. Tiefe Verbeugung und Erkundigung nach dem Wohlbefinden; hatte der Geschäftsinhaber Schnupfen betrat Durchlaucht das Geschäft nicht. Zur Ausstattung der Schlösser seiner Kinder und als Geschenke für Bedienstete erwarb Albert gerne Uhren und Porzellanfiguren.

 

Fürst Albert von Thurn und TaxisFürst Albert verläßt sein Appartement im Schloß St. Emmeram, um zum Spaziergang durch Regensburg aufzubrechen. Beachten Sie die exakte Bügelfalte der Hose ;-) Foto aus dem Jahre 1950.

Die Gemahlin des Fürsten, Ihre k.u.k. Hoheit Fürstin Margarete von Thurn und Taxis, Erzherzogin von Österreich, ließ sich mit dem Automobil vorfahren, wenn sie auf der Suche nach Antiquitäten oder Nippesgegenständen war.

Es war für Ludwig Baumann deshalb selbstverständlich, daß die gerahmten Porträtphotos des Fürstenpaares im Geschäftsraum aufgehängt und stets mit frischen Blumen dekoriert waren. Die Lieblingsblumen des Fürsten waren Mimosen. Die Geburtstage und Namensfeste der Fürstenfamilie wurden wie bei allen fürstlichen Hoflieferanten üblich durch anspruchsvolle Schaufensterdekorationen besonders gefeiert. Eigens dafür ließ Baumann zwei Putten aus Lindenholz schnitzen und farbig fassen, die das fürstliche Wappen hielten.

So lebte ein Teil Regensburgs vom Fürstenhaus, und die fürstliche Repräsentation warf auch noch nach dem Ersten Weltkrieg ein wenig vom Glanz der untergegangenen Welt der k.u.k. Monarchie auf die Stadt.

 

Eduard Baumann mit Enkelin Aurelia Der Glanz polierter Intarsien

1946, ein Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, starb Ludwig Baumann. Die Witwe führte das Geschäft weiter, bis 1952 ihr jüngster Sohn Eduard Baumann nach einer Schreinerlehre die Firma übernehmen konnte. Den Schwerpunkt bildeten nun furnierte Möbel des 18. und 19. Jahrhunderts.

Die funktionstüchtige Restaurierung historischer Möbel und die Kunst der Handpolitur liegt Eduard Baumann am Herzen. Nur die von Hand aufgetragene Politur mit Schellack und Harzen verleiht den Furnierhölzern jenen weichen Glanz, der vom honiggelben Nußbaumton bis zum rötlich schimmernden Kirschholz verschiedenster Nuancen reicht.

Zusammen mit seiner Gemahlin Karolina Baumann ist die Firma seit 1960 auf der ersten deutschen Kunstmesse, der Münchener Kunst- und Antiquitätenmesse, vertreten. Dort kaufte zum Beispiel die Schauspielerin Elisabeth Flickenschild auf einer der ersten Messen eine Votivtafel für ihren "Kuhstall". Der hochbetagte Heinz Rühmann bewunderte einen Barockschrank auf dem Baumann-Messestand. "Er möchte jetzt nicht gestört werden", entgegnete er einem auf den Messestand drängenden Autogrammjäger.

Foto: Eduard Baumann sen. mit seiner Enkelin Aurelia

 

Dr. Wolfgang Baumann mit Gattin Senta Beschreibung und kunstgeschichtliche Würdigung

Der Sohn Wolfgang Baumann studierte in Regensburg und München Kunstgeschichte und Klassische Archäologie. Die Magisterarbeit bearbeitet "Figürliche Hafnerware aus Straubing um 1600". Die zeitaufwendige Doktorarbeit hatte sich das Ziel gesetzt, das fürstlich Thurn- und Taxissche Historismusschloß St. Emmeram in Regensburg von 1872-1912 zu dokumentieren. Seine Gattin Senta Wiedl-Baumann M.A. ist ebenfalls Kunsthistorikerin und Spezialistin für Regensburger Stadtansichten.

Foto: Dr. Wolfgang Baumann mit Gemahlin Senta Wiedl-Baumann M.A. mit den Kindern Aurelia, Rosina, Erminold und Berthold

Dr. phil. Wolfgang Baumann M.A. ist für die fachgerechte Beschreibung der Erhaltungszustände der Objekte und deren Einordnung in kulturgeschichtliche Zusammenhänge verantwortlich. Er ist seit dem 1. Januar 1999 Inhaber des Geschäftes, das am 10. Februar 2009 mit Gottes Segen 100 Jahre alt ist und in dritter Generation von der Familie geführt wird.

Dr. Baumann ist von der Industrie- und Handelskammer Regensburg öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für "Süddeutsche Möbel bis 1900"

Am 3. Januar 2006 12.50 Uhr ist unsere Mutter Karolina Theresia Baumann nach langem und geduldig ertragenem Leiden verstorben. Bis zuletzt interessierte sie sich für die Vorgänge im Geschäft in der Kramgasse. Fast 50 Jahre war sie für die Buchhaltung und den Verkauf tätig und meisterte mit großem Optimismus auch die Tiefen, die das Geschäftsleben mit sich bringen. Es trauern ihr Ehemann und die Familien ihrer Kinder. Über die Geburt Bertholds hat sich die Oma sehr gefreut.

100 Jahre Antiquitäten Baumann
Es regierte Seine Königliche Hoheit der Prinzregent,
als der Stadtmagistrat am
10. Februar 1909
Ludwig Baumann das "Trödler-Geschäfts-Buch" aushändigte.

Der Antiquitätenhandel war noch kein eigener Handelszweig, sondern wurde unter der Rubrik Trödel erfasst. Man sprach damals auch nicht von Antiquitäten, sondern eher von "Altertümern" .
Das Gründungsgeschäftsbuch ist noch erhalten. Durchnummeriert sind hier die Einkäufe mit genauem Datum und mit der Adresse des Verkäufers "in Tinte" geschrieben, wie es Punkt 5 der Vorschrift zur Führung des Geschäftsbuches vorschreibt.
Vom 30. März 1915 bis zum 23. Oktober 1919 gibt es keine Eintragungen von Geschäfts-Einkäufen. Als königlich bayerischer Kanonier musste Ludwig Baumann in den Krieg ziehen. Das Geschäft des Junggesellen im Haus Schäffnerstraße 12 war geschlossen. 1919 heiratete Ludwig Baumann in der Dompfarrkirche St. Ulrich Niedermünster Anna Lehner aus dem niederbayerischen Wildenberg. Am 23.Oktober 1919 ging es mit dem Antiquitätenhandel nach dem Ersten Weltkrieg weiter:
"1 silberne Damenuhr" wurde von Frau Schmid in der Silbernen Fischgasse, Regensburg für 30 Mark eingekauft,

"Vorsicht! Papstkrippe! Bitte nur waagrecht tragen. Nicht stürzen!"
zum Tod von EDUARD BAUMANN (1931-2012)

Eduard Baumann wurde am 7. Mai 1931 als viertes Kind von Anna und Ludwig Baumann in Regensburg geboren. Es war eine Hausgeburt in einer Mietwohnung im Patrizierturm der ehemaligen Kaufmannsfamilie Löbl Hinter der Grieb - 13. Jahrhundert. Taufpate war Eduard Baumanns Onkel Robert Bubetz, ein in Ungarn ausgebildeter Schreinermeister. Aufgewachsen aber ist Eduard Baumann in der Barock-Architektur des 18. Jahrhunderts; der Epoche, die ihm die liebste wurde, denn mittlerweile hatten seine Eltern das Haus Kramgasse 6 erworben.

Eduard Baumann besuchte die Klarenanger-Volkschule; die Eltern kauften seine Schulhefte im Schreibwarengeschäft Achmann, bei der Schwester des bedeutenden Künstlers Josef Achmann. Es folgte der Besuch der Oberrealschule. Der Zweite Weltkrieg riss das Hausmädchen Gretl, Eduards 'zweite Mutter', bei einem Bombenangriff im Oktober 1944 in den Tod. Als er 15 Jahre alt war, verlor der Halbwüchsige seinen Vater, den er uns Kindern aus seiner Erinnerung heraus immer als großzügig geschildert hat. Sein Vater, der Antiquitätenhändler, hatte den Empirestil geliebt.

An einem heißen Sommertag ging die um die berufliche Zukunft ihres Sohnes besorgte Mutter Anna Baumann mit dem jungen Eduard nach Kumpfmühl, um Rat einzuholen bei dem Regensburger Kunsthändler Johann Ludwig. Er prophezeite dem jungen, schreinerisch begabten Sohn der Baumanns eine gute Zukunft als Kunsthändler und gab bei ihm sogleich die Restaurierung eines Biedermeierschranks in Auftrag. Johann Ludwig wurde zu einer Art Weisengel für unseren Vater. Ein weiterer Weisengel, diesmal ein weiblicher namens Resi Groß, führte Eduard Baumann nach Niederleierndorf zur musikalisch veranlagten Müllerstochter Karolina Hierl. Die Hochzeit der beiden jungen Leute wurde in der Alten Kapelle in Regensburg gefeiert, sprich in der heiteren Festlichkeit des Rokokos. Drei Söhne wurden dem Paar geboren. Alle drei durften wir eine umfassende Ausbildung genießen.

Als Schlaganfälle unsere Mutter ins Krankenbett zwangen, war es für unseren Vater selbstverständlich, dass er seine Ehefrau zu Hause pflegte. Dabei ging er bis an die Grenzen seiner eigenen Gesundheit. Der Tod unserer Mutter am 3. Januar 2006 setzte für ihn die große Zäsur in seinem Leben. Von nun an trug er stets die schwarze Krawatte und als Schmuck nur noch an hohen Festtagen eine goldene Krawattennadel im Stil des Zweiten Rokoko.

Am Freitag, dem 6. Juli 2012, dem Tag der Firmung seiner Enkelin Rosina Baumann, war unser Vater zum letzten Male in der Kirche der Dompfarrei, der Niedermünsterkirche. Hier hatte einst sein Vater vor dem Hochaltar aus Salzburger Marmor geheiratet, hier wurden seine vier Regensburger Enkelkinder von Pater Gerhard Winkler getauft. Vater nannte den Theologieprofessor und Zisterzienser aus Stift Wilhering gerne liebevoll seinen "Hauskaplan". Am Nachmittag besuchte unser Vater mit uns noch die Ausgrabungen unter der Kirche, das Dokument Niedermünster. Wir standen alle gemeinsam am Grab des heiligen Erhard aus der Zeit um 700.

Trotz des Todes seiner Ehefrau hatte unser Vater weiterhin große Freude am Krippenbauen. Eine Biedermeiervitrine war bis obenhin gefüllt mit Krippenliteratur. Sein Lieblingsbuch war Die Weihnachtskrippe, das alte, 1902 erschienene, akribisch wissenschaftlich verfasste Buch von Georg Hager. Die besondere Bewunderung Eduard Baumanns galt den Krippenschafen mit  gestochener Wolle von Anton Schauer senior (1850 1920) sowie den Figuren von Georg Anderl (1868-1928). Seit 1968 war Eduard Baumann Mitglied im Verein der Bayerischen Krippenfreunde. Auch zu Rosinas Firmung trug er am Revers die goldene Ehrennadel der Bayerischen Krippenfreunde. Stolz war er auch auf die "Papstkrippe" - eine Geschichte, die ich Ihnen kurz erzählen darf.

+ Eduard Baumann mit der Papstkrippe

Maria Ratzinger hatte einst den Kauf einer Heiligen Familie in unserem Antiquitätengeschäft veranlasst; das heilige Paar mit dem Christkindl war gedacht als Abschiedsgeschenk für den Domkapellmeister Georg Ratzinger, als er in den Ruhestand trat. Weihnachten für Weihnachten bot unser Vater ergänzende Krippenfiguren den Ratzingers zum Kauf an. 2008 dann schenkte der emeritierte Domkapellmeister Ratzinger die Krippe seinem Bruder, dem Heiligen Vater. Als unser Vater die Krippe für den Transport nach Rom verpackte, empfand er dies als eine Sternstunde seines Lebens. Das Sterbebild zeigt ihn mit schwarzer Krawatte und blauem Schreinerschurz beim Einpacken der Figuren. Dieses Bild hat ihm stets große Freude bereitet. Ein Transporter der Spitalbrauerei brachte damals die Krippe zusammen mit einem Vorrat Spitalbier in die ewige Stadt. In der privaten Hauskapelle des Heiligen Vaters wurde die Weihnachtskrippe aufgestellt. Auf die Transportkiste schrieb Eduard Baumann: "Vorsicht! Papstkrippe! Bitte nur waagrecht tragen. Nicht stürzen!"

Ganz generell war unser Vater ein Weihnachtsmensch. Der Kauf des Christbaumes war ihm seit seiner frühesten Jugend eine selbstverständliche Herzensangelegenheit. Der regelmäßige Wuchs der Tanne und die Frische und Qualität der Nadeln waren entscheidend. So auch im Dezember 2011, als er für die Kramgasse wie alle Jahre den Christbaum ausgesucht hat. Sein Schulfreund war Christbaumverkäufer; seit dieser verstorben war, wurde eben dessen Sohn beim Christbaumkauf "gequält". Denn mein Vater war sein heikelster Kunde. Er ließ sich beim Kauf viel Zeit - auch bei strenger Kälte. Dennoch wurde der Christbaum immer rechtzeitig erworben. Die Schnelligkeit, eine wichtige Tugend des Kunsthändlers, war hier ausnahmsweise einmal nicht gefragt.

Als der Heilige Vater anordnete, dass der Christbaum und die Weihnachtskrippe auf dem St. Petersplatz in Rom bis Maria Lichtmess aufgestellt blieben, war das für Eduard Baumann senior ein großer Triumph; ein Triumph der alpenländischen Weihnachtskultur.

Am Sonntag, dem 22. Juli 2012, morgens um 5.10 Uhr, ist unser Vater im Evangelischen Krankenhaus nach einer akuten Verschlechterung seiner Lungenentzündung verstorben. Wir wünschen Dir, lieber Vater, dass Du am Tisch des Herrn sitzen darfst im Himmlischen Jerusalem, ganz oben - eben dort oben, wo die Krippenbauer so ihren Platz haben, wie Du es oft formuliert hast. Zum Schluss noch ein persönliches Wort des Danks an meine Frau Senta. Seit 2006 feierte mein Vater Weihnachten zusammen mit uns in der Kramgasse. Das Zeremoniell musste dabei rigide nach seinen Vorgaben ablaufen; er hat hier manchmal nicht wenig von seiner Schwiegertochter verlangt. DANKE.

Und DANKE Ihnen allen, die Sie diese Zeilen lesen.
Sie sind mit Ihrem Gebet allesamt Weisengel für Eduard Baumann. GLORIA!

Einladung in die einzigartigeStadt Regensburg -
das mittelalterliche Wunder Deutschlands

Regensburg hat nach dem Zweiten Weltkrieg eine besondere Qualität bekommen. Sie ist die einzige erhaltene mittelalterliche Großstadt Deutschlands. Ein Besuch dieser Stadt mit seinen authentischen Denkmälern religiöser Kunst und profaner Wohnkultur - von den Patriziertürmen bis zur gotischen Kathedrale - ist ein einmaliges Erlebnis für jeden Kunstfreund.
Seit 2006 ist das Ensemble Altstadt Regensburg mit Stadtamhof, bestehend aus 984 Denkmälern, Welterbe der UNESCO.

Auf Ihrem Weg vom Dom zum Alten Rathaus, in dem der Immerwährende Reichstag tagte, kommen Sie auch durch die Kramgasse an unserem Geschäft vorbei.

Veröffentlichungen von Wolfgang Georg Eduard Baumann:

Mitarbeiter am Buch „Feste in Regensburg“, hg. von Karl Möseneder, Regensburg 1986.
Aufsätze im Regensburger Almanach und der Zeitschrift „Oberpfalz“.
Das fürstlich thurn- und taxische Schloß St. Emmeram in Regensburg. Architektur und Zimmerdekorationskunst im Historismus 1872-1912. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Philosophischen Fakultät I der Universität Regensburg. Regensburg 1991. Die Dissertation ist auf Mikrofiche zugänglich.
„Phyllis reitet auf Aristoteles“. Ein kurioses Trinkgeschirr aus Straubing um 1600. In: Jahresbericht des Historischen Vereins für Straubing und Umgebung, Jahresbericht 100/I, 1998, S. 349 -358.
Heiteres Rokoko. In: Thurn und Taxis - Studien. Bd. 20, Regensburg 2001.

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