Dr. phil. Wolfgang Baumann
ANTIQUITÄTEN UND KUNSTHANDLUNG
gegr. 1909


 

Spätgotisches Tafelbild
Heilige Walburga und Heilige Margarete,
Nürnberg um 1480/1500

Öl/Tempera auf Holz gemalt, Die Tafel wurde im 19. Jh. in der Stärke mittig durchsägt, um zwei Bilder von der Vorder- und Rückseite des ehemaligen Altarflügels zu gewinnen – eine damals gängige Praxis. Rahmen mit Wasserschlag im Stil der Spätgotik ergänzt.
Höhe 146 cm; Breite 70 cm

Auf einer gefliesten Estrade, die an eine Wiese mit Blumen und Heikräutern anschließt, stehen zwei weibliche Heilige vor einem aufgespannten Vorhang mit Fransenbesatz.

Im weiß-schwarzen Habit der Benediktinerinnen erscheint links die Heilige Walburga. Sie trägt mit ihrer rechten Hand ein Buch, das in grünes Leder gebunden ist. Darauf steht ein Glasfläschchen für das Walburgisöl – ihr Attribut. In ihrer linken Hand hält sie den goldenen Äbtissinenstab.

Rechts steht Margarete mit einem Jungfrauenkränzchen auf ihrem Haupt. Die blonden Haare fallen in Strähnen herab. Die Jungfrau trägt ein prächtiges rot-grünes Kleid. Sie blickt neugierig aus dem Bild heraus auf den Betrachter und bekämpft nebenbei mit einem Patriarchenstab den kleinen geifernden grünen Drachen zu ihren Füßen.

Die Heiligenscheine sind mit drei pastosen Rändern versehen und vergoldet.

Das Tafelbild gehörte ursprünglich zu einem Drehflügel vom Schrein eines kleinen spätgotischen Flügelaltares.

Zur Lokalisierung nach Nürnberg - auf die Borte kommt es an

Die ehemalige Grabeskirche der Nürnberger Patrizierfamilie Haller bei ihrem Herrensitz Kalchreuth birgt zahlreiche Kunstwerke Nürnberger Herkunft, weitgehend Stiftungen der kunstsinnigen Herrschaftsfamilie Haller, die 1342 den Ort vom Burggrafen von Nürnberg gekauft und ihn bis 1848 besessen und gepflegt hatte. Der Hochaltar, ein Passionsaltar, war die 1498 erfolgte Stiftung des Ehepaares Wolf Haller und Ursula aus der Nürnberger Buchdruckerfamilie Koberger. Die Tafelbilder werden naheliegender Weise Michael Wolgemut zugeschrieben.

Die in Kalchreuth vorhandene sogenannte „Vierflügeltafel“ (Abb. links) zeigt vor einem aufgespannten Brokathintergrund vier Heilige mit goldenen Heiligenscheinen mit einem pastosen (?) Rand. Der Hintergrundteppich wird von einer interessanten Borte oben und unten eingefaßt. Unten befindest sie sich über einem Fransenbehang in verschiedenen Farben. Die Borte besteht aus liegenden Rechtecken die in Rot und Weiß abwechseln übereinander verlaufend gewebt sind. Den gleichen Typus der rotweißen Borte zeigt unsere Tafel (Abb. Detail rechts Hl. Walburga). Die im 17. Jh. umgebaute Tafel besaß vielleicht ursprünglich auch ein Gesprenge. Das Hintergrundblau ist hier wohl original.
Johannes TRÖBS, St. Andreas Kalchreuth, Kirchenführer, hg. vom Evang. Luth. Pfarramt Kalchreuth, Kalchreuth 2007, FAbb. S. 8

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