Dr. phil. Wolfgang Baumann
ANTIQUITÄTEN UND KUNSTHANDLUNG
gegr. 1909


Eine Meisterminiatur des Empire in Süddeutschland

Carlo Restallino
Erbprinzessin Therese von Thurn und Taxis
(1773-1839),
Regensburg um 1800

Miniatur auf Elfenbein, rechts unten am Rand signiert, Messingrahmen um 1900, Höhe 7,7 cm.
Preis auf Anfrage

Carlo Restallino (1776-1864) war Schüler des Münchner Malers Johann Jakob Dorner dem Älteren. Der Miniaturmaler war nachweislich in Regensburg, Dresden, Berlin, Karlsruhe und Frankfurt/Main tätig, bis er 1820 in München eine Anstellung als Zeichenlehrer erhielt.

Das Halbfigurenporträt zeigt die attraktive Therese – Schwester der Königin Louise von Preussen – gekleidet in der neuesten Empire-Mode. Sie trägt ein weißes, hochgegürtetes Kleid mit hellblauem Umhang. Bei ihrem ersten Besuch der Regensburger Freimaurerloge am 11. Januar 1802 trat die Erbprinzessin in den Farben der Regensburger Loge „weiß und himmelblau“ gekleidet auf.

Die schöne und offensichtlich sehr emanzipierte Fürstin pflegte eine längere Beziehung mit Graf Maximilian von Lerchenfeld. Daraus ging 1808 ein Mädchen hervor, das vom Haus Lerchenfeld-Köfering adoptiert worden ist und in Schönheit der Mutter nicht nachstand. König Ludwig I. ließ die außereheliche Tochter der Fürstin in seine Schönheitsgalerie aufnehmen; unter ihrem Namen Amalie Freiin von Kruedener. Als Gemahlin des russischen Gesandten war sie eine gefeierte Schönheit in München und St. Petersburg.

Die Miniatur auf Elfenbein dürfte anlässlich des im Künstlerlexikon aufgeführten Regensburgaufenthaltes des jungen Künstlers entstanden sein. Restallino fertigte auch eine Miniatur von der Markgräfin Amalie von Baden, 1815 (Tochter des Landgrafen Ludwig IX. von Hessen Darmstadt; Thereses Mutter war eine Tochter des Landgrafen Georg von Hessen Darmstadt).

Ein etwa zeitgleiches Porträt, das Therese mit einer Lyra zeigt, dokumentiert die nebenstehende historische Photographie im Fotoarchiv Marburg. Das Gemälde selbst ist laut Nachfrage nicht mehr im Schloss Marienburg 30982 Pattensen vorhanden.

Lit.: Thieme-Becker, Bd. 28, S. 184.

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