Dr. phil. Wolfgang Baumann
ANTIQUITÄTEN UND KUNSTHANDLUNG
gegr. 1909


Schwarz wie Bronze als Hinweis auf die Antike ?

Johann Peter Melchior (1747-1825) zuzuschreiben,
Porträtmedaillon mit dem ovalen Brustbildnis
des Erzbischofs und Kurfürsten,
Kur-Erzkanzlers(1802-1806), Fürst zu Aschaffenburg und Regensburg, Graf zu Wetzlar,

Carl Theodor von Dalberg im Profil nach links,

hinterfangen von einer Hermelinwappendecke mit dem krönenden Kurhut,
München, Manufaktur Nymphenburg, Ausformung in Basaltporzellan,
aktuell von Juli 1802 bis August 1806

Porzellan ohne Glasur, sogenannte Basaltware, Kreuz als Bekrönung des Kurhutes abgebrochen und verloren, Höhe 14,5 cm;
Provenienz: bayerischer Adelsbesitz, Graf Joseph Sigmund Graf von Kreith (1771-1819).

Das ehemalige Gästehaus Dalbergs in Regensburg, heute das Haus der Musik, zeigt im Giebel als Relief das Staatswappen Dalbergs als Kurerzkanzler und Kurfürst von Mainz. Den Kurhut krönt ein Kreuz, das beim Reliefporträt verloren ist.

Der Kurhut als Hinweis für die Datierung 1802-1806

Am 4. Juli 1802 dankte Kurfürst und Erzbischof Friedrich Carl Joseph von Erthal in Aschaffenburg ab und übergab sein Kurfürstentum Mainz dem Koadjutor Carl von Dalberg (1744-1817). Auf die Kurwürde verweist an der Reliefplakette der krönende Kurhut, eine rote Haube mit Hermelinbesatz am unteren Rand und ohne Spangen. Am 31. Juli 1802 stellte Dalberg sich in Regensburg den Reichstagsgesandten als neuer Kurerzkanzler des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation vor.

Bereits am 30. Dezember 1802 bezog Dalberg seine neue Residenz Domplatz 6 in Regensburg.

Am 25. Februar 1803 enteignete der Reichsdeputationshauptschluß die geistlichen Fürstentümer. Nur Regensburg und Mainz überlebten; letzteres allerdings mit einem stark verkleinerten Herrschaftsgebiet. Dem Mainzer Kurfürsten verblieben nur noch die rechtsrheinischen Territorien seines Kurstaates. Dalbergs Konstanzer Diözese, der er als Fürstbischof von 1800 bis zu seinem Tod 1817 vorstand, wurde 1821 aufgelöst. Im Fürstensaal der Meersburg hängt ein Porträt Dalbergs und erinnert an den letzten geistlichen Burgbesitzer.

Am 1. August 1806 legte Dalberg vor dem Reichstag sein Amt als Erzkanzler nieder. Eine Woche später verzichtete Franz II. auf die Krone des Hl. Römischen Reiches.

In diesem Zeitraum, in dem Dalberg den Kurfürstentitel geführt hat, von Juli 1802 bis August 1806, war dieses Porträtmedaillon aktuell. Es wird von dem Modellmeister Melchior - ehemals Hofbildhauer der Kurfürsten von Mainz - wohl in der zweiten Jahreshälfte 1802 modelliert worden sein. Wie viele oder wie wenige Ausformungen in dem extravaganten schwarzen Porzellan es gegeben hat, ist unbekannt. Das hier gezeigte Relief ist bisher das einzig bekannte Exemplar.

Es diente als Geschenk an Graf Joseph Sigmund von Kreith (Porträt links). Dieser war bayerischer Kämmerer und bis 1810 Generalkreiskommissär des Naabkreises und somit Dalbergs territorialer Nachbar. Die Provenienz ist eindeutig geklärt.

Black basalt

Auffallend ist die gestochen scharfe plastische Qualität der Porzellanplakette, ein Phänomen, das nur ohne Glasur zu erreichen war. Biskuitporzellan war deshalb neben Alabaster und Marmor die von Melchior bevorzugte Technik bei Porträtmedaillons. Die Basaltware ist etwas Neues (?) in Nymphenburg. Eine Büste der Königin Karoline, die 1920 im Besitz des schwedischen Königshauses genannt wird, ist auch in Basaltware ausgeführt und sollte vielleicht Bronze- oder Eisenguß suggerieren. Nymphenburg experimentierte nach dem Vorbild Wedgwoods mit „grauer Ware“ unterschiedlicher Färbung.

Dalberg war offensichtlich schon lange ein Bewunderer von Melchiors Porträtkunst. 1772 schenkte er in Paris Herrn Johann Georg Wille u.a. ein von Melchior gefertigtes Porzellan-Porträtmedaillon, das den Mainzer Hofbeamten Baron Groschlag zeigte. Anläßlich der Wahl zum Coadjutor in Mainz 1778 legte Melchior ein wohl schon 1772 angefertigtes Porträt des jungen Dalberg in Frankenthal neu auf. Aus Nymphenburg ist eine Walzentasse mit Silhouetten-Brustbild nach rechts von Dalberg um „1806“ erhalten. In seiner Regensburger Residenz speiste Dalberg aus einem Speiseservice aus Nymphenburg

Fürstenhut und Titel ohne Mittel - kein Kriegsgewinnler

Dalberg wurde nach dem Verlust der Kurfürstenwürde von Napoleon mit dem blosen Titel Fürstprimas des Rheinbundes entschädigt, einer am 16. Juli 1806 von Napoleon und Talleyrand diktierten Militärallianz von 16 deutschen Fürsten mit Frankreich. Als letzter Fürst hatte Dalberg die Rheinbundakte auf seinem Regensburger Sommersitz Schloss Wörth am 26. Juli 1806 schweren Herzens unterschrieben.

Dalberg führte nun nur noch den Fürstenhut, der drei sichtbare Spangen besitzt. Während die anderen Rheinbund-Fürsten Kriegsgewinnler waren, gewann Dalberg weder territorial noch rangmäßig dazu; er war im Gegenteil der Verlierer.

Literatur zu Melchior in Nymphenburg: Katharina HANTSCHMANN, Johann Peter Melchior als Modellmeister der Nymphenburger Porzellanmanufaktur, in: Johann Peter Melchior 1747-1825 Bildhauer und Modellmeister in Höchst, Frankenthal und Nymphenburg, Gelsenkirchen 1997, S. 158-187.


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